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Podersdorf 2002

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Eigentlich wollte ich dieses Jahr keine Langdistanz machen...

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..., denn für Roth fehlten nach Australien schon 3 Monate Training und auf Frankfurt hatte ich wirklich keine Lust. Von dem bunten Reigen an Wettkämpfen reizte mich Podersdorf, am Neusiedlersee in Österreich, am meisten. Während meiner Kindheit waren wir immer im Burgenland und manchmal am Neusiedlersee. Ich wollte mal wieder in diese Gegend, und so bot sich dieser Wettkampf an. Zudem kommt noch, dass der Austria Triathlon Podersdorf, der am 3. Augustwochenende stattfindet, doch relativ spät in der Saison ist. Es bleibt also noch Zeit zum Trainieren.

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Startnummer
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Der Trainingsaufwand

hielt sich in Grenzen, in den drei Monaten davor bin ich 72 km geschwommen, 1824 km radgefahren und 367 km gelaufen. Meine Trainingslaufstrecke bin ich vorher mit dem Rad abgefahren und habe km Markierungen angebracht. Ein Punkt mit der Spraydose auf den Asphalt stört niemanden und gibt ein gutes Feedback über Lauflänge und Geschwindigkeit. Während der Fussball-WM versäumte ich doch das eine oder andere Spiel, weil ich lieber auf dem Fahrrad gesessen bin. Die Schwimmworbereitung war optimal, im hiesigen Heubacher Freibad war meistens eine Bahn frei, besonders wenn das Wetter mal nicht so war. Wie immer hat man sowieso das Gefühl viel zu wenig trainiert zu haben. Ich frage mich ob das bei Profis wohl anders ist.

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Am Vortag

Vortag

gings dann los nach Österreich. Die 10 Stunden Fahrt erledigen uns total und der Wiener Gürtel gibt uns voll den Rest. Wir sind froh, als wir in Podersdorf ankommen. Als erstes werden die Startunterlagen abgeholt - ja die Anmeldung hat geklappt, auch wenn ich nie eine Rückmeldung erhalten habe. Die Helfer sind total freundlich, dies sollte sich auch während der gesamten Veranstaltung nicht ändern. Das Ziel ist direkt vor dem Wettkampfzelt, wir machen Fotos und suchen ein Nachtquartier.

Dazu gehen wir zum Campingplatz im Ort, direkt am See, melden uns an und erst so nebenbei frage ich nach dem Preis: 23,20 Euro pro Nacht sind für ein kleines Zelt mit 2 Personen ganz schön stolz. Dafür darf man für die warme Dusche extra zahlen, als Ausgleich gibts einen Platz neben dem Spülhaus. Der Rasen ist ungepflegt, die Nacht ist laut - ziemlich schrecklich der Platz. Hier macht also der gemeine Österreicher (und nicht nur der) Urlaub.

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Start

Start

Morgens bin total aufgewühlt, packe mühsam mein Zeug zusammen und fahre zur Wechselzone. Dort wird nach dem Einchecken das Zeug so um das Fahrrad herum verteilt, dass man es nachher wiederfindet. Alle Athleten laufen dann im Neopren zum Leuchtturm hinaus, dort findet der Start statt. 136 Starter zählt das Feld. Die Zeit wird rückwärts gezählt, dann fällt der Startschuss.

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3,8 km Schwimmen

Schwimmen

Zuerst ist etwas Gedränge da, aber das verliert sich schnell, so kann schnell der Rhythmus gefunden werden. Die Schwimmstrecke ist eine der wenigen, auf der auch Nichtschwimmer einen Ironman machen können. Ich entdecke völlig neue Schwimmtechniken, neben Kraul und Brust wird Waten, Delphinhopsen und Aquawalking von meinen Mitstreitern betrieben.

Es sind zwei Runden zu schwimmen, Höhepunkt ist die kurze Strecke am Pier entlang. Hier schwimmt man ganz nah an den Zuschauern vorbei. Nach der zweiten Runde peilt man an diesem Pier vorbei in Richtung Ufer und schwimmt solange es noch tief genug ist.

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Wechselzone

Als ich mit den Ellenbogen den Grund des Neusiedlersees berühre, beende ich nach 1:10:23 h die Schwimmstrecke. Die letzten 150m wate ich aus dem Wasser und gebe mir in der Wechsezone ein kompletten Klamottenwechsel. Umkleidezelte gibt es keine, aber ich würde die Wechselzone nicht gerade als erogene Zone bezeichnen.

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180 km Rad

Rad

Es sind 4 Runden auf dem Radkurs zu je 45km zu absolvieren. Die Strecke ist absolut flach, dafür muss man mit dem Wind kämpfen, der auf der 3. und 4. Runde zusammen mit der Temperatur zunimmt. Ich esse und trinke soviel geht, leider bekomme ich einmal Isostar (Geschmackrichtung Gurke) statt Wasser und einmal ist die Flasche zu schnell weg - was zu einem gewissen Durstgefühl führt und das wollte ich eigentlich vermeiden. Landschaftlich ist die Strecke wirklich schön: Weingärten, Dörfer und Ziehbrunnen wechseln sich ab. Aber nach der 4. Runde nehme ich das nicht mehr so wahr. Ich komme gut vorwärts und kann meinen geplanten 30er Schnitt mit 5:53:18 in die Wechselzone retten.

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42 km Laufen

Wechsel

Beim 2. Wechsel gibt es wieder komplett frische Klamotten. Ich suche Elke, die auf der anderen Seite mit der Sonnencreme auf mich wartet. Nach grosszügigem Eincremen gehts dann auf die Laufstrecke.

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Hoelle

Beim Loslaufen weiss ich mit dem Begriff Podersdorfer Hölle noch nichts anzufangen. Das ändert sich schnell. In dieser absolut flachen Senke den See entlang steht die Luft, die Sonne brettert aufs Hirn und einen Schatten sucht man vergeblich. Nach kurzer Zeit meldet sich schon die Unlust, die Wärme und die stehende Luft tun Ihr Übriges.

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Sau

Links grunzt und quiekt es, die Strecke führt an einem Feld mit freilaufenden Sauen vorbei. In dem Zustand, in den ich gerade hineinlaufe, kann ich wirklich Schwein brauchen.

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Schatten

Nach der 2. Verpflegungstation kommt eine schattige Strecke, da macht das Laufen wieder richtig Spass, aber leider ist dieser Abschnitt viel zu kurz. Danach fange ich bereits dass erste Mal zu gehen an. Das, glaube ich, wird noch eine längere Wanderung.

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Wende

Noch 2 km bis zur Wende, die nach 7km kommt, dann darf man das erste Mal zurücklaufen zum Start und das alles wiederholt sich ganze drei Mal. Auf dem Weg zurück lerne ich Jürgen aus Bonn kennen. Wir reden etwas miteinander und kommen so kurz auf andere Gedanken, aber die Hitze ist zu drückend.

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Wende

Am Ziel vorbei gehts zum Wendemann, dann wieder Richtung Hölle. Elke begleitet mich (mit gebührendem Abstand) auf dem Fahrrad und mit Jürgen spiele ich ein Spiel: Wir bestimmen den nächsten Punkt, bis zu dem wir gehen, ab dann bestimmt der andere wie weit wir weiter joggen. So geht das 2. Mal hinaus ganz gut rum.

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Beim 2. Mal zurücklaufen bahnt sich nun das Drama unwiderruflich an, irgendwann verabschiede ich mich zum Reihern in die Büsche. Der Zustand ist verheerend, ich kann kein Wasser und auch sonst nichts mehr trinken. Andererseits beginnen die Unterschenkeln zu krampfen. Jeder Schritt geht, wenn ich versuche zu joggen, knapp an einem Krampf vorbei. Ich versuche mein Möglichstes und verabschiede mich von Jürgen, er ist schon auf der letzten Runde, während ich noch einmal zum Wendepunkt und zurück muss.

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Langsam wird es dunkel. Ich bin total froh, dass Elke dabei ist, denn wie weit kann man mit Krämpfen laufen? Noch zweimal muss ich zum Kotzen in die Büsche, an trinken ist fast nicht mehr zu denken. Warum tut man sich das an? Wenn jemand nach zuviel Alkohol kotzen muss, und dann weitersäuft, würde ich diesen Zustand für wirklich bedenklich halten, aber beim Sport ist das wohl in Ordnung.

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Wie auch immer, diese Laufstrecke bleibt in meiner Erinnerung als Wanderung für Magen- und Fusskranke erhalten. Aber trotzdem werden die Kilometer weniger, und auf dem letzten zwinge ich mich wieder zum Joggen. Dann gehts langsam aufs Ziel zu, es werden mehr Menschen und schliesslich laufe ich durch das Ziel.

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Urkunde

Ich bin völlig erledigt, kann kein Cola mehr sehen und stütze mich auf die Abschrankung. Ein Paar fragt mich, wieso und warum man so etwas durchhält, ich weiss keine Antwort darauf. Ich irre zu den Duschen und zurück zum Versorgungszelt. Die freundlichen Damen vom Roten Kreuz raten mir zu einer Cola oder etwas Bier. Ein super Vorschlag das mit dem Bier. Mit Elke trinke ich eines zusammen. Sie isst eine Portion Nudeln, davon bekomme ich 3 oder 4 ab. Zurück im Zelt falle ich in den Schlafsack, versuche keine Krämpfe mehr zu bekommen und schlafe auf dem Traumcampingplatz ein.

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Siegerehrung

Am nächsten Tag fallen Gehen und Essen schwer. Wir kaufen etwas Wein ein und gehen zur Siegerehrung. Die kann ich von unten verfolgen, denn als Viertletzter muss man nicht aufs Podium oder aufs Stockerl. Wir geniessen noch den Tag und fahren am nächsten Mittag wieder nach Hause, ohne dass wir ahnen können, welche Folgen dieser Ausflug nach Podersdorf für uns haben sollte. Aber das wird hier auch nicht verraten!

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© Elke und Peter Kuntner