Marathon Frankfurt 2000


Das Vorhaben

Einmal einen Marathon laufen. Das ist ein Ziel, das hört sich doch einmal nach etwas an. Ein 10 km Lauf ist schon lange absolviert, die Zeit war übel, mir war es auch. Nie wieder einen Börek 2 Stunden vor dem Wettkampf, das war meine Lektion, die ich mit furchtbaren Magenschmerzen gelernt habe. Trotzdem war ich doch fast 2 min schneller als letztes Jahr. Ich will jedoch nicht darüber nachdenken, dass ich für den Lauf im letzten Jahr überhaupt nicht trainiert habe, und dieses Jahr nach ziemlich vielen Läufen gerade mal 52 min brauchte.

Im Sommer dann ein schöner Triathlon in Bamberg (bei saukaltem Wasser 16,4 Grad, dafür nur 1000m Schwimmen), 42km Radfahren, das etwas Ähnlichkeit mit Schnorcheln hatte, und einem wirklich gelungen 10 km Lauf (49:50 endlich mal unter 50!!).

Danach war es erstmal vorbei mit der Begeisterung, lieber etwas Bergsteigen, Klettern, die Laufschuhe verbrachten den Urlaub unbenutzt im Kofferraum. Nach dem Mont Blanc fragt mich dann doch einfach der Andi, mit dem Hinweis, dass in 5 Wochen in Berlin Marathon sei, ob ich nicht mitmachen will ?

Marathon - ich, in 5 Wochen nein danke!! 3 Wochen später, derselbe Gedanke - Marathon - ich , wie wärs mit Frankfurt?? Da hab ich noch 8 Wochen Zeit zum trainieren...das könnte klappen.

Die Vorbereitung

Frankfurt

Lange Läufe um Zeegendorf, ich weiss genau, dass ich hier der Einzigste bin, der in diesem total schönen Wald joggen geht. Es gibt hier nicht einmal Hunde (bis auf den einen paranoiden an der Ecke). Wenn ich genau darüber nachdenke, bin ich, seit ich hier laufe, erst 3 Joggern begegnet.

Hier gibt es 2 Fernsehtürme, die kann man auf einer Strecke prima miteinander verbinden, es vermittelt auch ein Gefühl von - dort muss ich noch hin - oder später - dort war ich schon. Eine Runde ist mindestens 17km lang, das ist ja schon einmal etwas, in der Theorie heisst es aber, dass man auch längere Strecken laufen sollte.

Elke kennt das schon, ich fahr irgendwohin mit und laufe alleine wieder heim. Ca. 2 Wochen vor dem Frankfurter Marathon laufe ich von der Arbeit nach Zeegendorf. Der Hauptmoorswald ist gross genug zum Verlaufen, ich komme an ein einem völlig anderen Ort als erwartet heraus. Prima, macht die Strecke schon etwas länger, nur doof das ich zum Schluss noch im Dunklen über den Steinknock muss. Bergab geht's in die Beine... aber was soll's, das war der letzte lange Lauf bis... In der letzten Woche noch ein paar schnelle 10km Läufe und das war's schon.

Freitags

gehe ich möglichst bald von der Arbeit weg. Noch eine kleine Runde nach Mistendorf, nur 4km, ich fühle mich schwach. Das ist das Zeichen, ich glaube wenn man sich am letzten Lauf vor dem Wettkampf schwach fühlt wird es super. Die Fahrt nach Frankfurt, Jubl wartet schon mit leckerem Tomaten-Schafkäse-Auflauf..

Am Samstag Fahrt zur Messe, die Frage: Was ist in der Tüte drin, die jeder Starter bekommt??? Wir bummeln erst noch in die Stadt, zufällig denselben Weg wie für den Marathon; irgendwann kommt das km1-Schild das war erst ein Kilometer - ich will nicht an Morgen denken. Später die Auflösung, in der Tüte war der Frankfurter-Rundschau-Schwamm! Cool, den soll man sogar mitnehmen - logisch ich nehm alles mit! Abends zwei Riesenteller Nudeln - endlich Essen soviel man kann!

Am Start

Start

stehen ziemlich viele Leute vor dem Klo, aber es gibt ja Bauzäune. Die Frage, was ziehe ich heute an? Lang, kurz, mittel sämtliche Kombinationen gehen mir durch den Kopf. Die Sonne scheint - also kurz. Marathon ist eine Frage des Kopfes, ich möchte wissen was abgeht, ich stehe am Start es geht nichts ab. Hubschrauber für die Elite, die sehe ich zum letzten Mal. Hier steht ein Mann mit einem Schild auf dem 3:59 steht, ja, hier bin ich richtig, ein Versuch ist es wert. Weit vorne steigen Luftballons in den Himmel, es geht los, aber nicht hier. In ca 4 min bin ich dann auch dort vorne. Jeden Kilometer stoppe ich, das Schild ist weg, die Zeiten schwanken zwischen 5:14 und 6:11, aber ich finde einen Rhythmus. Das macht Spass hier! So viele Leute, die am Rand stehen und Beifall klatschen...,die kennen mich doch gar nicht! Ich kann jeden Zuschauer am Rand genau ansehen. Es ist wie vorbeifliegen, der Lauf ist locker, schnell, ich glaube nicht zu schnell.

km 10

und ich bin an der alten Oper. Hier warten Elke und Jubl, noch eine Kurve, ich sehe sie, laufe auf die beiden zu, und dabei noch fast einen über den Haufen. Zu schnell für den Autofokus, hier wird es kein Bild geben. Ich bin noch keine Stunde unterwegs. Marathon ist reine Kopfsache, ich rechne hoch dass, wenn das so weitergeht, eine super Zeit herauskommt. Eine Maschine ist aus mir geworden, jeder Kilometer ist gleich schnell, sie fiegen an mir vorbei, 14,15,16 cool.

km 21

ich komme mit den Schildern durcheinander, ich glaube S steht für Skater. Dann an Gartengrundstücken vorbei, Matten zum Drüberlaufen. Der Halbmarathon ist in der Tasche 2h02. Es könnte eine Zeit um 4h werden!! Ab jetzt kann man schneller werden, ich spar mir das für später auf.

km 25

die ersten fangen an zu gehen, man liest viel über den Km 30, da soll es erst hart werden. Aber meine Beine werden JETZT schon schwerer. Die KM-Zeiten werden immer länger, es ist keine Zeit unter 6min mehr dabei. Über die Schwanheimer Brücke ist es trostlos 4spurig, 2 Zuschauer, Wind bis nach Höchst. Afrikanische Musik, die Afrikaner, die hier vor über 2h waren sind schon lange mit Ihren Hubschraubern im Ziel. Die Trommelmusik gibt den Lauftakt vor, die Beine machen ihn aber nicht mehr mit. Mir ist es egal, wie weit es noch ist, die Zeit ist mir egal, ich will auch nicht mehr wissen was im Kopf abgeht. Ich will am Ziel sein.

km 33

es gibt Powergel. Das ist spezielle Nahrung, die der Körper nur und ausschliesslich nach 33km Langlauf zu sich nehmen kann. Bananengeschmack, was sonst? Der Riesenvorteil gegenüber Bananen ist, dass man es sich ins Gesicht schmieren kann! Die endlose Mainzer Landstrasse macht auch mit Rückenwind keinen Spass. Im Prospekt steht: "Danach laufen Sie wieder durch die bevölkerte Innenstadt" - es beginnt zu regnen, die Innenstadt ist entvölkert - ich würde hier auch keine 5 h lang rumstehen.

Die Kondition ist in Ordnung, nur die Beine sind unendlich schwer, im Kopf spielt sich nichts Besonders ab - toll, da will man den Kick - nichts, ich weiss auch nicht, im Kopf ist alles ist ganz normal. Bei km 41 drücke ich mir das Powergel ins Gesicht (diesmal Zitrone). Die letzte Kurve, bald kann ich die Zeit über dem Ziel lesen. Elke und Jubl stehen total durchgefroren am Rand. So, toll, das wars jetzt. Die Beine werden auf einmal leicht, einen Endspurt kann ich ganz locker anziehn. Ich hebe den Kopf, sehe die Uhr über dem Ziel verschwinden, 4h36:00, laufe aus und lehne mich an das schönste Geländer auf der Welt, ich könnte heulen.

Ziel

Mir wird eine Medaillie umgehängt (ich bin mir sicher, dass dies die Goldmedallie vom Olympischen Marathonlauf in Sydney ist). Im Zielbereich meint Jubl "das hier ist wie bei der Wiedervereinigung, die Leute kommen aus dem abgeschlossenen Bereich und wollen Bananen". "Das ging in die Beine", lese ich darauf in der Zeitung, deren Schwamm ich besitze (und nicht durch Frankfurt trug). Leider komme ich keine Treppen mehr hinauf und nachts tun meine Beine furchtbar weh. Am nächsten Tag wird es langsam besser, ich kann wieder gehen. Ich schaue nochmal in meinen Beutel und lese vom Triple Ironman mit 126km Laufen, und weiss... lieber noch einmal einen Marathon laufen - das ist ein Ziel..

Urkunde

Buchtip:

fit For Fun - Perfektes Lauftraining
fit For Fun - Perfektes Lauftraining
Ein solides Buch zum Thema Laufen. Vom Anfang, über den Marathon bis zum Ultra. Mit vielen Trainingsvorschlägen.

von: Herbert Steffny

Preis: 15 Euro

Edition:1998

ISBN: 3-517-07582-5

http://www.kuntner.de/sport/frankfurt.html

© Elke und Peter Kuntner