Mont Blanc (4807m) |
Der längste Abstieg in den Alpen![]() Wir treffen uns (fast) genau auf den ausgemachten Tag in Chamonix. Die Schlechtwetterperiode, die uns auf dem Gran Paradiso das Leben schwer gemacht hat ist Vergangenheit. Wir bummeln durch die Stadt, kaufen dies und das ein und lesen die Wettervorhersage: Beau Temps, Beau Temps, Beau Temps - und das in den Westalpen! ![]() Damit steht es fest, wir versuchen Mont Blanc. Am nächsten Tag brauchen wir den ganzen Vormittag zum Frühstücken und Rucksackpacken, erst um 12 Uhr gehen wir am Campingplatz los. Wir wollen den alten Normalweg über die Grand Mulet und den Bosses Grat gehen. Elke hat keine Lust mitzukommen, aber sie begleitet uns bis zur Cascade du Dart. ![]() Der Weg zur Hütte ist schon eine Sensation an sich. Vorbei an dem gesperrten Tunnel, an verfallenden Seilbahnen, überhalb dem Bosson Gletscher schlängelt sich der Weg bis über die Baumgrenze. Von der ehemaligen Bergstation der Seilbahn ist es nur noch ein kurzes Stück bis zum Gletschereinstieg. Dort legen wir uns unsere Steigeisen an und gehen die ersten 200m möglichst schnell, um dem andauernden Steinschlag von der Aiguille du Midi zu entgehen. ![]() Der Gletscher ist sehr wild, aber der Weg ist trotzdem leicht zu finden. Im oberen Teil sind die breitesten Spalten. Bald ist die Hütte erreicht. Gegen 8 Uhr abends kommen wir an. Die Hütte schaut von aussen aus wie eine Blechschachtel, ist von innen jedoch sehr gemütlich. Der junge Hüttenwirt ist sehr freundlich, wir bekommen noch etwas zu essen, sehen einen wunderbaren Sonnenuntergang und sind nach 9 Uhr im Bett. Wir sind nur mit wenigen andern Leuten auf dem Zimmer, das macht die Nacht angenehm. Der Aufstieg über diese Hütte ist zwar länger, aber schon die Tatsache, dass die Hütte nicht jeden Tag überfüllt ist, gleicht dies aus. ![]() Der Tag beginnt früh, um 1 Uhr wird aufgestanden, gefrühstückt und um 2 Uhr gehen wir los. Die Lichter von Chamonix unten im Tal sind zum Greifen nah, dort sind wohl noch ein paar Menschen zur nächsten Disco unterwegs, während wir hier den Gletscher hochgehen. ![]() Schnell gewinnen wir an Höhe, gerade als Andis zweiter und letzter Satz Batterien aufgibt, wird es hell. Bald trifft uns auch der erste Sonnenstrahl, oben am Gipfel sieht man viele Leute, aber von dem sind wir noch weit weg. ![]() Die Ausblicke sind sensationell, Chamonix, die Aiguille du Midi gegenüber die Brevent, alles liegt uns zu Füssen. Weniger sensationell ist unsere Geschwindigkeit, die dünne Luft macht uns zu schaffen und ein paar Pausen notwendig. ![]() Nach dem Grand Plateau ein letzter Anstieg, dann liegt die Vallot Hütte vor uns, die höchste Hütte in den Alpen lassen wir links liegen und gehen weiter hoch. ![]() Der Bosses Grad ist das nächste Highlight. Er ist wirklich so ausgesetzt, wie ihm sein Ruf vorhereilt. Wenn der Mont Blanc von weitem wie eine Kuppe aussieht, von hier aus sieht man wie steil er wirklich ist. ![]() Wir arbeiten uns langsam hoch, erst ist der Grat recht steil, oben wird es immmer flacher, bis wir das Gipfelplateau erreichen. Andi, für die Statistik zuständig, brennt sich die Zeit mit 11:27 auf die Festplatte zwischen den Ohren. Dies ist der höchste Punkt, auf dem wir je waren. Es ist übrigens genauso kalt wie hoch. Wir geniessen die Aussicht in vollen Zügen, alles liegt unter uns, die Grand Jorasses, der Grand Combin, die Aiguille Vert und ganz tief unten im Tal Chamonix, dorthin müssen wir wieder zurück. ![]() Der längste Abstieg in Europa wartete nach dem Gipfel auf uns. Bisher war der Schnee festgefroren, aber ab der Vallot Hütte wird er sulzig. Es wird immer schwerer zu gehen, die Platten unter den Schuhen werden immer höher. Gegen 17 Uhr sind wir wieder an der Refuge de Mulet, trinken noch eine Kanne Tee und nehmen noch eine weitere mit. Kurz vor Sonnenuntergang verlassen wir den Gletscher. Bald wird es dunkel, alleine mit meiner Stirnlampe steigen wir noch die restlichen 1200m ab. Gegen 1 Uhr morgens kommen wir am Campingplatz an, zum Schluss tun meine Füsse furchtbar weh. An diesem Tag sind wir 23 Stunden auf den Beinen gewesen, hatten 1700 Höhenmeter im Aufstieg und 3800 Höhenmeter im Abstieg gemacht. Die heisse Dusche am Campingplatz wirkt Wunder, Andi geht gleich mit den Socken unter die Dusche, meine Füsse sehen aus wie ein halbes Jahr in Alkohol konserviert. ![]() Am nächsten Tag sind wir brotfertig. Elke lacht sich einen ab, als wir in einem Kaufhaus die Treppen runterlaufen. Der Hunger hat schon enorme Ausmasse angenommen, da hilft nur noch ein Fondue Savoyard. Dies nehmen wir an einem gemütlichen Strassencafe zu uns, gegenüber liegt der Mont Blanc, wir prosten ihm zu und freuen uns, Ihn geschafft zu haben. |
http://www.kuntner.de/berge/mtblanc.html© Elke und Peter Kuntner |